Ich baute einmal eine Website, weil ich Geschichten erzählen wollte.
Das geriet ein wenig außer Kontrolle.
Die Website bekam ein Cockpit. Dann Statistiken. Anschließend begann sie festzuhalten, woher Menschen kamen, was sie ansahen und seit Kurzem sogar, ob sie sich verirrten.
Letzteres halte ich persönlich für eine wichtige Statistik.
Es gibt schließlich schon genug Websites, die genau wissen, wohin man soll.
Meine nicht.
Seit Kurzem können Besucher auch auf Geschichten reagieren.
Keine Daumen. Keine Herzen. Keine Sterne. Nur ein Name und etwas, das offenbar gesagt werden musste.
Das musste natürlich getestet werden.
Also trug ich selbst einen Namen ein.
Jan.
Und schrieb:
Urkomische Bürogeschichte.
Absenden.
Kurz darauf erschien Jan ordentlich in meinem Cockpit, dahinter drei Möglichkeiten:
Zulassen. Verbergen. Löschen.
Gut.
Es funktionierte.
Test bestanden.
Und dann kam Bram.
Bram hatte irgendwo auf meiner Website etwas gelesen und eine Reaktion hinterlassen.
Gut gequakt!
Schau an.
Das stand nicht im Testprotokoll.
Auf meiner Website geschehen öfter Dinge, mit denen ich vorher nicht ganz gerechnet hatte, aber eine Ente mit Reaktionsvermögen stand nicht direkt auf der technischen Roadmap.
Mein Cockpit hielt das übrigens für völlig normal.
Da stand Bram.
Gut gequakt!
Dahinter dieselben drei Knöpfe:
Zulassen. Verbergen. Löschen.
Als würde ich täglich über die Meinungsfreiheit von Wasservögeln entscheiden.
Ich habe ihn zugelassen.
Natürlich.
Eine Ente, die sich die Mühe macht, meine Website zu besuchen, etwas zu lesen und inhaltlich darauf zu reagieren, werde ich nicht zensieren.
Es gibt Grenzen.
Aber jetzt haben wir ein Problem.
Denn irgendwo auf dieser Website steht Bram.
Ich weiß, wo.
Du nicht.
Zufällig besitzt meine Website seit Kurzem noch eine weitere Funktion.
Sie misst das Umherstreifen.
Nicht wie effizient Menschen von A nach B gelangen, sondern wie viele Schritte sie machen, wenn sie einmal irgendwo hineingeraten und dann denken:
He, was ist denn das?
Der aktuelle Rekord liegt bei 32 Schritten.
Also machen wir etwas daraus.
Finde Bram
Irgendwo auf dieser Website hat eine Ente reagiert.
Sie heißt Bram.
Mehr Informationen gibt es nicht.
Keinen Link.
Keinen Knopf.
Keine Wegbeschreibung.
Und ganz sicher keine Brotkrümelspur.
Bei einer Ente wäre das ohnehin geschummelt.
Finde Bram.
Und wenn du ihn gefunden hast, hinterlasse selbst etwas.
Einen Gedanken.
Einen Gruß.
Einen Hinweis für den nächsten Suchenden.
Oder einfach:
Quak.
Später schaue ich im Cockpit nach, was passiert ist.
Vielleicht findet ihn jemand in drei Schritten.
Vielleicht in zwölf.
Vielleicht bricht jemand den Rekord von 32 und verliert unterwegs völlig den Faden.
Auch gut.
Denn vielleicht ist genau das das Schönste an einer Website.
Nicht, dass man findet, wonach man gesucht hat.
Sondern dass man unterwegs etwas entdeckt, von dem man nicht wusste, dass man danach suchte.
Wir haben nicht eingegriffen.
Quaken ist erlaubt. 🦆
